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Ratgeber — Für Privatpersonen

Kredit trotz Selbstständigkeit: Was für die Bonitätsprüfung wirklich zählt

„Als Selbstständige:r bekommt man doch sowieso keinen Kredit“ – dieser Satz hält sich hartnäckig, stimmt aber nur teilweise. Selbstständige erhalten regelmäßig Kredite, müssen dabei aber andere Nachweise erbringen als Angestellte mit festem Gehalt. Wer weiß, worauf es ankommt, kann sich gezielt vorbereiten.

Warum Kreditgeber bei Selbstständigen genauer hinschauen

Bei angestellten Personen lässt sich die Einkommenssituation anhand weniger Dokumente – meist der letzten Gehaltsabrechnungen und eines unbefristeten Arbeitsvertrags – vergleichsweise einfach und standardisiert einschätzen. Bei Selbstständigen fehlt dieser einheitliche Nachweis: Das Einkommen kann von Monat zu Monat und von Jahr zu Jahr stärker schwanken, es gibt keinen Arbeitgeber, der eine gewisse Stabilität garantiert, und die Unternehmensform sowie die Auftragslage variieren stark von Fall zu Fall.

Das bedeutet nicht, dass Selbstständige grundsätzlich als riskanter eingestuft werden – es bedeutet lediglich, dass Kreditgeber eine andere, individuellere Prüfung vornehmen müssen, um sich ein realistisches Bild der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu machen. Wer diese Prüfung versteht, kann seine Unterlagen gezielt so aufbereiten, dass sie ein möglichst klares, überzeugendes Bild ergeben.

Welche Unterlagen typischerweise gefragt werden

Anstelle von Gehaltsabrechnungen verlangen Finanzierungspartner bei Selbstständigen in der Regel eine Kombination aus mehreren Nachweisen: aktuelle Steuerbescheide der letzten ein bis zwei Jahre, eine betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) aus der laufenden Buchhaltung, Kontoauszüge der letzten Monate sowie je nach Rechtsform gegebenenfalls einen Handelsregisterauszug oder eine Gewerbeanmeldung.

Diese Unterlagen zusammen ergeben ein deutlich vollständigeres Bild als ein einzelner Gehaltszettel: Sie zeigen nicht nur die Höhe, sondern auch die Entwicklung und Stabilität des Einkommens über einen längeren Zeitraum. Wer diese Dokumente bereits vor der eigentlichen Antragstellung geordnet vorliegen hat, beschleunigt den Prüfungsprozess spürbar und vermeidet Rückfragen, die den Prozess sonst in die Länge ziehen.

Wie lange sollte man selbstständig sein, bevor ein Kredit realistisch wird?

Eine pauschale, für alle Finanzierungspartner gültige Antwort gibt es hier nicht – die Anforderungen unterscheiden sich von Partner zu Partner. Als grobe Orientierung gilt jedoch häufig: Ab dem zweiten vollständig abgeschlossenen Geschäftsjahr liegt in der Regel bereits eine belastbare Datenbasis vor, anhand derer sich eine Kreditentscheidung leichter treffen lässt, da dann mindestens ein voller Steuerbescheid sowie eine gewisse Entwicklung über die Zeit vorliegen.

Das bedeutet nicht, dass eine Finanzierung im ersten Jahr der Selbstständigkeit grundsätzlich ausgeschlossen ist – gerade bei zusätzlichem Vermögen, einer Bürgschaft oder besonders überzeugenden Unterlagen kann auch früher eine Finanzierung möglich sein. Ein spezialisierter Finanzierungsvermittler mit Zugang zu mehreren Partnern erhöht in dieser Phase die Chancen deutlich, da unterschiedliche Anbieter unterschiedliche Schwerpunkte bei der Prüfung setzen.

Was die Bonitätsprüfung bei Selbstständigen konkret anders macht

Neben der klassischen Bonitätsprüfung, die auch bei Angestellten unter anderem eine Schufa-Auskunft einschließt, fließt bei Selbstständigen zusätzlich die betriebliche Ertragslage in die Bewertung ein. Statt eines fixen Monatsgehalts wird häufig ein durchschnittliches, um Sondereffekte bereinigtes Einkommen über mehrere Monate oder Jahre zugrunde gelegt, um saisonale oder projektbedingte Schwankungen realistisch abzubilden.

Mehr zu den Grundlagen der Bonitätsprüfung und der Rolle der Schufa finden Sie in unseren Glossar-Artikeln zu Bonität und SCHUFA. Für Selbstständige gilt dabei grundsätzlich derselbe rechtliche Rahmen wie für alle Verbraucherdarlehen, lediglich die Art der herangezogenen Nachweise unterscheidet sich.

So bereiten Sie einen Kreditantrag als Selbstständige:r optimal vor

Am wichtigsten ist eine vollständige, aktuelle Unterlagensammlung, bevor die eigentliche Antragstellung beginnt: aktuelle Steuerbescheide, eine möglichst aktuelle BWA sowie ein klarer Überblick über bestehende Verbindlichkeiten und deren Restschuld. Wer diese Unterlagen erst während des laufenden Antragsprozesses zusammensucht, verlängert die Bearbeitungszeit unnötig.

Hilfreich ist außerdem eine ehrliche, realistische Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Situation vor der Antragstellung: Welche monatliche Rate ist auch in einem schwächeren Monat sicher tragbar? Wer diese Frage für sich selbst beantwortet hat, bevor der Finanzierungspartner sie stellt, wirkt im Gespräch überzeugender und trifft am Ende eine für die eigene Situation tatsächlich passende Entscheidung.

Warum sich ein spezialisierter Finanzierungsvermittler lohnt

Da einzelne Finanzierungspartner sehr unterschiedliche Kriterien für die Bewertung von Selbstständigen anlegen, kann bereits eine Absage bei einem Anbieter bei einem anderen Partner zu einer Zusage führen – nicht, weil sich die eigene wirtschaftliche Situation verändert hätte, sondern weil unterschiedliche Partner unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Ein unabhängiger Finanzierungsvermittler wie Momentum Kapital gleicht Ihre Anfrage mit mehreren Partnern gleichzeitig ab, statt Sie auf ein einzelnes Institut und dessen spezifische Kriterien festzulegen.

Typische Stolpersteine bei der Antragstellung als Selbstständige:r

Ein häufiger Stolperstein ist eine stark schwankende oder erst kürzlich deutlich gestiegene Ertragslage: Auch wenn das aktuelle Geschäftsjahr wirtschaftlich gut läuft, stützen sich viele Finanzierungspartner auf einen Durchschnitt mehrerer zurückliegender Jahre. Ein besonders starkes, aber noch junges Wachstum spiegelt sich in dieser Betrachtung mitunter noch nicht vollständig wider.

Ein zweiter häufiger Punkt sind bereits bestehende Verbindlichkeiten, etwa aus einer Betriebsmittelfinanzierung oder einem Leasingvertrag, die bei der Berechnung der tragbaren Gesamtbelastung mit berücksichtigt werden. Wer hier vorab einen klaren Überblick über die eigene Restschuld aus bestehenden Verpflichtungen hat, kann realistischer einschätzen, welcher zusätzliche Kreditbetrag überhaupt sinnvoll und tragbar ist.

Häufig gestellte Fragen

Ist ein Kredit im ersten Jahr der Selbstständigkeit grundsätzlich unmöglich? Nein, aber häufig schwieriger, da eine belastbare Datenbasis fehlt. Individuelle Faktoren wie zusätzliches Vermögen oder besonders überzeugende Unterlagen können die Chancen dennoch verbessern.

Zählt bei Selbstständigen der Umsatz oder der Gewinn für die Kreditwürdigkeit? In der Regel ist der Gewinn beziehungsweise das daraus abgeleitete verfügbare Einkommen maßgeblich, nicht der reine Umsatz, da dieser noch keine Aussage über tatsächlich verfügbare Mittel nach Abzug aller Kosten trifft.

Werden Freiberufler und Gewerbetreibende bei der Kreditprüfung unterschiedlich behandelt? Die grundsätzliche Prüfungslogik ist ähnlich, im Detail können sich die geforderten Nachweise je nach Rechtsform und Tätigkeit leicht unterscheiden.

Kann eine zweite Einkommensquelle, etwa aus Kapitalerträgen oder Vermietung, die Kreditwürdigkeit verbessern? Ja, zusätzliche, nachweisbare Einkommensquellen fließen grundsätzlich in die Gesamtbetrachtung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ein und können die Kreditwürdigkeit positiv beeinflussen.

Mehr dazu auf unserer Seite Privatkredit bei Momentum Kapital.

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